
Eine besondere Einladung nach Wien
Der Kurs fand im Van Swieten Saal, Medizinische Universität Wien, statt. Es war mir eine große Ehre, unter anderem gemeinsam mit Andrea Atzei, Hermann Krimmer und Eva-Maria Baur Teil der Faculty zu sein.
Für mich ist eine solche Einladung eng mit der Freude an der Wissensvermittlung verbunden. Eigene klinische Erfahrungen vorzustellen, Behandlungsmöglichkeiten zu diskutieren und Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, gehört zu den besonders bereichernden Seiten meiner handchirurgischen Tätigkeit. Ebenso wertvoll ist es, den persönlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen zu pflegen, deren Arbeit ich sehr schätze.

Handgelenkarthroskopie: ein präziser Blick in ein komplexes Gelenk
Das Handgelenk vereint auf engem Raum zahlreiche Gelenkflächen und Bandstrukturen. Bei der Arthroskopie wird eine kleine Kamera über einen schmalen Zugang in das Gelenk eingebracht. So lassen sich unter anderem Knorpel, Bänder und Gelenkschleimhaut direkt beurteilen. [2]
Bei geeigneter Indikation kann die Handgelenkarthroskopie zur Abklärung und Behandlung verschiedener Beschwerden beitragen, beispielsweise bei Bandverletzungen oder Veränderungen des TFCC, einer wichtigen Struktur auf der Ellenseite des Handgelenks. Je nach Befund lässt sich eine arthroskopische Behandlung auch mit einem offenen Eingriff kombinieren. Welche Vorgehensweise sinnvoll ist, ergibt sich aus der Untersuchung, der Bildgebung und der konkreten Fragestellung. [2]
Gerade bei einem so komplexen Gelenk braucht es dafür eine genaue Kenntnis der Anatomie und eine sorgfältige Beurteilung der Befunde. Der fachliche Austausch hilft, diese Überlegungen gemeinsam weiterzuentwickeln.
Mein Vortrag: skapholunäre Läsionen
„Skapholunäre Läsionen – Grundlagen, Klassifikationen und Behandlungen“ war das Thema meines Vortrags.
Das skapholunäre Band verbindet das Kahnbein, das Os scaphoideum, mit dem Mondbein, dem Os lunatum. Es trägt wesentlich zur Stabilität und zum abgestimmten Bewegungsverhalten der beiden Handwurzelknochen bei. Eine Verletzung, etwa nach einem Sturz auf die Hand, kann Schmerzen und eine Störung der Gelenkstabilität verursachen. [3]
Das Verletzungsspektrum reicht von Teilverletzungen bis zu ausgeprägten Bandrupturen. Für die Behandlung sind unter anderem das Ausmaß der Verletzung, die verbleibende Stabilität und die Zeit seit dem Unfall relevant. Bei bestimmten Fragestellungen ermöglicht die Arthroskopie eine direkte Beurteilung der betroffenen Bandstrukturen. [3]
Im Vortrag ging es um drei miteinander verbundene Aspekte:
- Grundlagen: die anatomischen und funktionellen Zusammenhänge verstehen.
- Klassifikationen: den Befund strukturiert einordnen und seine Bedeutung beurteilen.
- Behandlungsmöglichkeiten: aus den Befunden eine passende therapeutische Strategie ableiten.
Diese Verbindung von genauer Befundbeurteilung und individueller Therapieplanung ist auch in meiner täglichen Arbeit ein zentraler Bestandteil der Versorgung von Handgelenkverletzungen.
Fachlicher Austausch auf Augenhöhe
Ein wichtiger Teil solcher Veranstaltungen sind für mich die Gespräche innerhalb der Faculty und mit den Teilnehmenden. Unterschiedliche Erfahrungen und Herangehensweisen eröffnen neue Perspektiven – gerade bei anspruchsvollen Fragestellungen der Handgelenkchirurgie.
Mich interessiert dabei besonders, welche Überlegungen hinter einer Entscheidung stehen: Wie wird ein Befund gewichtet? Welche Ziele sind für die Behandlung ausschlaggebend? Und wie lassen sich die Möglichkeiten und Grenzen eines Verfahrens verständlich vermitteln? Diese Fragen begleiten uns sowohl im Vortragssaal als auch im klinischen Alltag.

Wissen weitergeben und selbst weiterlernen
Die Vermittlung von Wissen und operativer Erfahrung ist ein wichtiger Teil meiner beruflichen Tätigkeit. Dazu gehört für mich auch, das eigene Vorgehen regelmäßig zu reflektieren und für neue Erkenntnisse offen zu bleiben.
Als Vortragender kann ich Erfahrungen aus meiner klinischen Arbeit einbringen. Gleichzeitig bietet die Zusammenarbeit mit anderen Handchirurginnen und Handchirurgen die Gelegenheit, den eigenen Blick auf Diagnostik und Behandlung zu erweitern. Dieses Zusammenspiel von Lehren und Lernen macht medizinische Fortbildung für mich besonders wertvoll.
Was bedeutet dieser Austausch für meine Patientinnen und Patienten?
In meiner O·T·H Wahlarztpraxis in Neusiedl am See steht eine sorgfältige Abklärung von Hand- und Handgelenksbeschwerden im Mittelpunkt. Der fachliche Austausch unterstützt mich dabei, Behandlungsoptionen kritisch einzuordnen und nachvollziehbar zu erklären.
Für die gemeinsame Entscheidung sind der individuelle Befund, die Beschwerden und die persönlichen Anforderungen im Alltag wesentlich. Mein Ziel ist es, die Möglichkeiten, die Grenzen und die Nachbehandlung verständlich zu besprechen – damit Patientinnen und Patienten gut informiert an ihrer Behandlung mitwirken können.
Danke für die Einladung und das kollegiale Miteinander
Mein herzlicher Dank gilt der Kursleitung für die Einladung und das Vertrauen, der gesamten Faculty für den fachlichen und persönlichen Austausch sowie den Teilnehmenden für ihr Interesse.
Es war eine große Freude, an diesen beiden Kurstagen mitwirken zu dürfen. Wissen teilen, Erfahrung austauschen und voneinander lernen – genau das nehme ich aus dieser besonderen Veranstaltung mit.
OA Dr. Andreas Rozenits
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie – Schwerpunkt Hand- und Ellenbogenchirurgie
O·T·H Wahlarztpraxis | Neusiedl am See
Quellen und weiterführende Informationen
- European Accreditation Council for Continuing Medical Education (EACCME): Veranstaltungsverzeichnis – 56. Wiener Handgelenkkurs, 12.–13. Oktober 2026. Offizielle Kursinformationen: Wiener Handkurse – Handgelenkkurs Arthroskopie.
- American Society for Surgery of the Hand (ASSH): Wrist Surgery: Arthroscopy – Patienteninformation zur Handgelenkarthroskopie.
- American Society for Surgery of the Hand (ASSH): Scapholunate Torn Ligament – Patienteninformation zu skapholunären Bandverletzungen.